Alles beginnt bei den Fahrradrahmen. Die kommen hier in Hartmannsdorf in verschiedenen Größen und Farben an, die dann je nach Bestellung zu fertigen Rädern zusammengebaut werden. Geschweißt und lackiert werden die Rahmen im Ausland. „Wir machen hier nur noch Montage“, sagt Produktionsleiter Mickeleit auf seinem Rundgang durch die Fertigungshalle. Kleine Reparaturen werden hier zwar auch vorgenommen, aber dazu später.
Aus Einzelteilen werden Baugruppen
Nebenan werden einige Fahrradteile zu Baugruppen zusammengebaut. Eine Baugruppe ist etwa ein Gepäckträger, ein Laufrad oder ein Lenker. An das bloße Metallrohr des Lenkers werden Griffe, Klingel, Brems- und Schalthebel angebaut, sodass später am Band alles schneller geht.
Neben den Fließbändern werden gleichzeitig Laufräder hergestellt. Fast alles wird per Hand gefertigt: einspeichen, Felgenband aufbringen, Schlauch und Mantel aufziehen. „Das sind unsere Stresser“, erklärt Mickeleit und zeigt auf ein Gerät, das auf die Radnabe und die Speichen drückt. „Die simulieren schon einmal die ersten 100 Kilometer Fahrt.“ Höhen- und Seitenschläge werden ebenso maschinell ausgeglichen. Mitarbeiter setzen hier auch die Zahnkränze, das Ritzel, auf das Hinterrad.
Fahrradgabeln und -ketten werden in einem separaten Raum auf die richtige Länge zugeschnitten. So stört das Kreischen der Kreissägen nicht in der großen Fertigungshalle. Dort dominieren Geräusche von Akkuschraubern, klapperndem Metall und klackenden Maschinen.
Unsichtbare Kabel als Qualitätsmerkmal
Dann geht’s ans Fließband. Kommissionierer haben bereits dafür gesorgt, dass alle Materialwagen mit den richtigen „Zutaten“ am Band stehen. „Für zehn E-Bikes braucht es hier vier Materialwagen“, erklärt Mickeleit. Für ein normales Rennrad brauche es an derselben Stelle nur einen der kubikmetergroßen Wagen. Fleißige Hände der Monteurinnen und Monteure entlang des Fließbandes greifen in die Materialkisten hinter ihnen und verbauen mit beeindruckender Geschwindigkeit hunderte Teile.
Gebaut wird von innen nach außen: Als Erstes wird die Bremse des Hinterrads in den Rahmen eingefädelt. Auch Hülsen für die Bowdenzüge und Kabel werden im Inneren des Rahmens entlanggeführt. Bowdenzüge sind dünne Stahlseile, die dafür sorgen, dass das Bremsen und Schalten funktioniert. „Ein gutes Rad ist heutzutage eines, an dem man keine Kabel mehr von außen sieht“, sagt Mickeleit über die Fahrradtrends.
Die Hochzeit
Die Gabel, in der später das Vorderrad läuft, wird durch den Rahmen gesteckt und mit dem Lenker verbunden – verheiratet, wie es in der Industrie heißt. „Hier werden auch die Bremsen eingestellt“, sagt Radprofi Mickeleit. Der gelernte Schweißer arbeitet schon seit über 13 Jahren im Werk und kennt sich mit allen Modellen aus. Selbst fahre er jedoch kaum Rad. „Da gehe ich lieber laufen“, sagt er lachend.
Mithilfe einer speziellen Halterung wird das Fahrradskelett kopfüber aufs Montageband gesteckt. So kann es nicht herunterfallen, aber von den Monteurinnen und Monteuren nach Belieben seitlich gedreht werden.
Im Takt der Fließbandarbeit steht alles Kopf
Nun beginnt die restliche Montage am Fließband. Jeder Monteur hat hier pro Station etwa drei Minuten Zeit, seine Bauteile anzubringen. Gar nicht so einfach, wenn alles auf dem Kopf steht.




