Olympiasieger auf der Baustelle: Warum Ex-Biathlet Rösch 14-Stunden-Tage schiebt

Quelle: privat

 

Vom Olympiasieg über Depressionen bis zum Hard-Enduro-Rennen: Michael Rösch erlebt immer wieder neue Extreme. Derzeit spachtelt der frühere Biathlet und heutige Eurosport-Experte 14 Stunden am Tag auf dem Bau. Warum ihm selbst das Spaß macht – und was er beim SZ-Fahrradfest erwartet.

 

Dresden. Als Michael Rösch ans Telefon geht, steht er auf einer Baustelle in Berlin. Er spachtelt und streicht, 14 Stunden am Tag. Ein eher überraschender Arbeitsplatz für einen Olympiasieger und Eurosport-Experten – aber bei Rösch wundert man sich besser über gar nichts mehr.

Im Winter erklärt der frühere Top-Biathlet den Zuschauern die Weltcups, im Sommer fährt er eines der härtesten Enduro-Rennen der Welt in Rumänien. Beim City-Biathlon in Dresden war er zuletzt mit der Schultour unterwegs, außerdem hält er Vorträge über mentale Gesundheit.

Und am 4. Oktober steigt der 43-Jährige schon wieder um: Dann fährt Rösch beim SZ-Fahrradfest mit, gemeinsam mit seinem Sohn. Keine Frage, der Mann ist auch nach dem Ende seiner Biathlon-Karriere viel unterwegs – und in erstaunlich unterschiedlichen Welten.

Warum der Olympiasieger jetzt auf Berliner Baustellen arbeitet

„Der Job auf dem Bau ist eine coole Abwechslung und macht mir Spaß. So eine gleichmäßige Arbeit – das erinnert mich ein bisschen an früher, als ich im Training auch mal 50 Kilometer einfach abspulen musste“, erzählt Rösch. Seine Arbeitstage sind derzeit 14 Stunden lang. Dafür ist er am späten Mittwochabend auf der Baustelle fertig und fährt zurück nach Dresden.

Ein gewöhnlicher Berufsalltag sieht anders aus. Doch geradlinig verlief das Leben von Michael Rösch ohnehin nie. 2006 wurde er mit 22 Jahren Olympiasieger mit der deutschen Staffel und zum großen Biathlon-Star aus Sachsen.

Wie Rösch erst in diesem Jahr öffentlich machte, sei er an diesem frühen Erfolg jedoch beinahe zerbrochen. Es folgten eine schwere Krise, Depressionen und ein Suizidversuch. Später wechselte er die Nation und startete für Belgien.

Olympiasieg mit 22 – dann folgten Depressionen und Suizidversuch

Geblieben ist seine Leidenschaft für den Biathlonsport. Im kommenden Winter sitzt Rösch wieder an der Seite von Sportreporter-Legende Siggi Heinrich am Eurosport-Mikrofon und kommentiert ab Ende November die Weltcups und die Weltmeisterschaften.

„Ich profitiere von ihm, er von mir. Dafür bin ich total dankbar. Auch wenn wir als Kommentatoren nicht allzu oft zusammen in einer Kabine sitzen, sind wir als Team konkurrenzfähig“, sagt Rösch. Die meisten Weltcuprennen kommentiert er aus seinem Büro zu Hause.

Der City-Biathlon Ende August in Dresden war einer der Höhepunkte seines Sommers. Als Botschafter der dazugehörigen Schultour stellte Rösch in der Woche davor Hunderte Grundschüler erstmals auf Ski. „Es ist ein Herzensprojekt, Kinder für diesen Sport zu begeistern“, sagt er.

 

„Vom Klapprad über den Zeitfahrhelm bis zu einem Mann mit einer Prothese am Bein habe ich alles gesehen. Ich finde, das SZ-Fahrradfest ist eine tolle Möglichkeit, sich mit anderen Gleichgesinnten zu bewegen.“

Michael Rösch, Biathlon-Olympiasieger

 

Einen ganz anderen sportlichen Traum erfüllte sich Rösch in diesem Sommer. Erstmals startete er bei den Red Bull Romaniacs, die als eines der härtesten Hard-Enduro-Rennen der Welt gelten. Fünf Tage lang führt die Rallye durch die Berglandschaft rund um Sibiu in Rumänien und bringt selbst erfahrene Fahrer an ihre Grenzen.

„Ich bin sehr stolz, dass ich es ins Ziel geschafft habe. 20 Jahre nach meinem Olympiasieg ist das eine coole Geschichte“, sagt Rösch. Zumal Motorradfahren für ihn auch „wie eine Art Therapie“ sei. Vor sechs Jahren begann er mit dem Hobby, nun erreichte er sein großes Ziel. Welche Rolle der neue Sport für ihn und seine mentale Gesundheit spielt, darüber spricht Rösch inzwischen auch in Vorträgen.

Der Bewegung treu geblieben ist er ohnehin. Im Winter fährt er häufig zum Skifahren nach Altenberg, im Sommer steht er gelegentlich auf Rollski an der Elbe. Und am 4. Oktober kommt das Fahrrad dazu: Beim SZ-Fahrradfest geht Rösch gemeinsam mit seinem Sohn Levi über die Fünf-Kilometer-Strecke an den Start. Ursprünglich war das große Radevent in Dresden für Juli geplant, wegen der angekündigten Hitze wurde es jedoch in den Herbst verschoben.

Vom Klapprad bis zur Beinprothese – was ihn am SZ-Fahrradfest begeistert

Schon im vergangenen Jahr war Rösch beim Fahrradfest dabei – wenn auch nicht auf dem Sattel. Die Königsetappe führte damals durch Altenberg. „Ich habe mich früh ins Auto gesetzt, bin an die Bobbahn gefahren und habe die Teilnehmer zur Erfrischung mit der Wasserpistole vollgespritzt“, erzählt er.

 

Quelle: SZ/DDV

 

Besonders beeindruckt habe ihn, wie unterschiedlich die Menschen auf der langen Strecke unterwegs waren. „Vom Klapprad über den Zeitfahrhelm bis zu einem Mann mit einer Prothese am Bein habe ich alles gesehen. Ich finde, das SZ-Fahrradfest ist eine tolle Möglichkeit, sich mit anderen Gleichgesinnten zu bewegen.“

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